Influencer – Jetzt auch in der Politik

INfluencer- Jetzt auch in der Politik | Ein Kommentar

Wer den Fokus der FDP-Kampagne auf Christian Lindner kritisiert und stattdessen Inhalte fordert, hat irgendwas nicht verstanden und ist zu faul zum Lesen.

Zum einen wirbt jede Partei sonst hätte es keinen (herbeigeschriebenen) Schulzffekt gegeben, sonst gäbe es nicht die Sicherheit im Gesicht der Kanzlerin, sonst würde uns Kathrin Göring-Eckardt nicht von großen Plakaten anblinzeln. Der Unterschied bei der FDP besteht vordergründig darin, dass sowohl Lindner als auch die Plakate gut aussehen.

Das Team Lindner nutzt eine Strategie, die Werber schon lange nutzen: Jemand setzt sich auch persönlich in Szene, um Inhalte oder Produkte in die Köpfe der Menschen zu bekommen. Das kann man kritisieren, man kann es aber auch clever und den modernen Zeiten entsprechend angemessen finden. Das Internet ist kein Neuland mehr und Wahlplakate sind nicht das Medium, durch das ich meine Entscheidungen treffe. Eine Kampagne, in der eine interessante Person immer wieder in den Fokus rutscht und nahbar scheint, kann aber durchaus Meinungen bilden. Und so fährt das Team Lindner: Immer wieder postet er persönlich ein Selfie z.B. mit einem Programmhinweis. Wenn Menschen dann bei Facebook Fragen stellen, oder Anmerkungen haben, dann antwortet sein Team relativ schnell und intensiv. Man kann sagen: Lindner lockt, sein Team informiert. Moderne Kommunikationskultur genau dort, wo viele Menschen sich heute über Politik informieren und austauschen.

Informationen werden nicht nur im Wahlprogramm bereit gestellt, sondern auch den Fragen entsprechend immer wieder an den Mann oder die Frau gebracht. Es wirkt ein wenig so, als würde eine Partei den Bürger ernst nehmen.

Inhalte hat die FDP wahrlich genug, das Wahlprogramm umfasst 158 Seiten und ist auch in kurzer Form erhältlich, sogar in Gebärdensprache, in einfacher Sprache und in Fremdsprachen wird es zur Verfügung gestellt.

Wer also meint, dass die Fokussierung auf Lindner fehlende Inhalte vertuschen soll, überschätzt seine Strahlkraft maßlos oder hat die moderne Medienwelt nicht verstanden. Und das könnte man ja fast schon konservativ nennen.

FDP_Personenkult_

 * Da es zu Anfragen kam: Nein, ich werde nicht dafür bezahlt, dass ich mich mit der FDP auseinander setze.